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Betreuung in der Nacht – wirklich notwendig?

Nachthimmel Mond Baum - Betreuung in der Nacht - wirklich notwendig?

Willst Du für Deine Familie wissen, in welchen zwei Gründen eine permanente Betreuung in der Nacht zu Hause notwendig werden kann? Welche praktischen Hilfsmittel können zum Einsatz kommen, bevor für Euch eine 24 Stunden Betreuung oder das Pflegeheim unausweichlich wird?

Hinweis: Bei einer akut auftretenden Erkrankung (wie z. B. Fieber oder Durchfall), die eine ohnehin geschwächte Person betrifft, ist eine vorübergehende nächtliche Aufsicht durch Nahestehende oder im Zuge eines Krankenhausaufenthaltes zu empfehlen.

Alter Mann im Bett - Pflege

Grund 1: Liegeposition wird nicht selbstständig verändert – Gefahr des Wundliegens

Menschen, die sich in der Nacht nicht selbstständig in eine andere Liegeposition bringen können, laufen Gefahr, sich wund zu liegen. Durch den lange verweilenden Druck können offene Stellen entstehen, die eine langwierige Behandlung nach sich ziehen. Zuvor entstehen Rötungen, die noch harmlos aussehen, denen jedoch rasch das Reißen der Haut folgen kann.

Welche Zeitspanne zwischen den Positionswechseln liegen kann, bevor alarmierende Rötungen entstehen, sind u. a. von der Körpermasse, der Hautfeuchtigkeit und dem Kreislauf abhängig. Im Durchschnitt liegt die Zeitspanne zwischen zwei und vier Stunden. Gründe für eine mangelnde Fähigkeit der Umpositionierung sind meist die Lähmung einer Körperhälfte, die auch mit reduziertem Druck- und Schmerzempfinden einhergeht, wodurch man nicht mehr von selbst bemerkt, dass man die Position wechseln sollte. Jede Art der Bewegungsunfähigkeit, auch Kontrakturen (Versteifungen der Gelenke), Bewusstseinseinschränkung oder ausgeprägte Schwäche durch eine Krankheitsepisode können die Ursache für die fehlende Beweglichkeit in der Nacht sein.

Sonnenuntergang - Sun Downing Syndrome

Grund 2: Tag-Nacht-Umkehr

Das „Sun-Downing-Syndrome“ und die Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus wird unbehandelt bei einigen Menschen mit Demenz zum hartnäckigen Begleiter. Hartnäckig nicht zuletzt, wegen des Schlafmangels, den man als pflegende/r Angehörige/r erfährt und auf Dauer auch tagsüber bemerkbar an den eigenen Kräften zehrt.

Aufgrund der belastenden Unvereinbarkeit des eigenen Tagesprogrammes mit der fehlenden Rast in der Nacht, entscheiden sich viele für eine 24h Betreuung oder einen Platz im Pflegeheim.

Zu der Behandlung eines Sun-Downing-Syndroms, bei dem Betroffene  am Nachmittag beginnen, sich aufgewühlt und unruhig zu verhalten, gehören neben medikamentöser Behandlung mit z. B. Melatonin, die Prüfung von Nebenwirkungen anderer Medikamente und die Erfassung des Tagesablaufes. Wenn die Tagesstruktur bekannt ist, können Adaptionen wie z. B. beruhigende Abendrituale und mehr Bewegung / Schlaf tagsüber nacheinander auf ihre Wirksamkeit getestet werden.

Kein wirklicher Grund

Der nächtliche Weg zur Toilette ist oft von Risikofaktoren wie schlechter Sicht, Benommenheit und Zeitdruck begleitet, welche die Gefahr eines Sturzes erhöhen. Auch, wenn bei Harnverlust die Toilette keine Option mehr darstellt und Inkontinenzmittel im Einsatz sind, steht die Frage der Notwendigkeit einer nächtlichen Betreuung im Raum.

Da in der Kosten-Nutzen-Abwägung die Gesundheit und Unversehrtheit das oberste Ziel sind, gilt es vorher zu überlegen, ob die Unversehrtheit (der Haut, des Bewegungsapparates,… ) nicht auch mit Hilfsmitteln erreicht werden kann, bevor der Umzug in ein Pflegeheim oder eine 24h Pflege zum Thema wird. Super saugfähige Inkontinenzhosen, die für die Nacht entwickelt wurden, könnten bei Harnverlust ausreichen. Um die Haut vorsichtshalber zu schützen, gibt es feuchtigkeitsabweisende Hautschutz-Pasten.

Die Entwicklung einer Hautirritation durch Ausscheidungen ist jedoch frühzeitig zu erkennen, um die Versorgung anzupassen. Zu den Folgen der Hautirritation gehören Schmerzen und Entzündungen. Wenn eine Irritation auftritt, sollte sie von einer diplomierten Pflegeperson oder dem/der Hausarzt/-ärztin begutachtet werden, da die Behandlung komplexer ausfallen kann.

Hinweis: Hautschutz-Pasten müssen anschließend mit Lotion / Körperöl entfernt werden, da sie nicht wasserlöslich sind.

Wenn es der lange Weg vom Bett zur Toilette ist, der die größte Sorge bereitet, haben sich die Zimmertoilette (und für Männer auch die Urinflasche) bewährt. Außerdem können eine gute Beleuchtung des Bodens und Griffe am Weg den Gang zum WC vereinfachen.

In unserem Themenblock „Hilfsmittel und Heilbehelfe“ sind einige Hilfsmittel zu finden, die Abhilfe verschaffen können.

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