Welche Unterstützung bekomme ich?

Pflegende Angehörige - Du bist nicht allein

Du hast Dir jetzt schon Gedanken gemacht, in welchem Umfang Deine betroffene Person Unterstützung braucht – siehe dazu das Kapitel Krankenhaus und Betreuungsform.

Du suchst nun nach Unterstützung bzw. Hilfe für pflegende Angehörige? Es gibt mehr Möglichkeiten, als Du vielleicht vermutest.

Der Großteil der zu pflegenden Personen wird immer noch durch Angehörige betreut und gepflegt. Viele davon nehmen zur Entlastung und als Ergänzung professionelle Hilfe durch externe Dienste in Anspruch – mehr dazu im Kapitel Externe Unterstützung.

Pflegende Angehörige bekommen einiges an finanzieller Unterstützung und Rückerstattung von Kosten, die in Zusammenhang mit der Pflege stehen sowie Beratungshilfe.

In diesem Überblick erfährst Du, welche Hilfeleistungen in Österreich angeboten werden. Einiges an Unterstützung für pflegende Angehörige ist kostenlos, bei vielen Leistungen wirst Du durch staatliche Finanzierung und Förderungen unterstützt.

Alter Mann im Bett - Pflege

Pflege durch Angehörige oder nahestehende Personen kann zwar relativ rasch und mit geringen externen Kosten durchgeführt werden, denke jedoch bitte auch an ein paar Herausforderungen, die nicht zu unterschätzen sind! Du kannst Dir für bestimmte Tätigkeiten auch immer eine mobile Unterstützung hinzuziehen.

Für die Entscheidung, ob Du die Pflege selbst übernehmen möchtest, hilft Dir der Fragebogen “Selber betreuen – ja oder nein?”. Welches Wissen und Fähigkeiten Du für die Betreuung und Pflege benötigst erfährst Du im Arbeitsblatt “Was muss ich wissen und können?”

Immer am Laufenden bleiben - miazorgo.com Newsletter

Immer am Laufenden bleiben - miazorgo.com Newsletter

Freistellungen vom Beruf

Wenn Du kurzfristig eine Freistellung von Deinem Beruf benötigst, um Dich um Deine Liebsten zu kümmern, gibt es verschiedene Formen der Unterstützung – von einer Woche (Pflegeurlaub) bis zu mehreren Monaten.

Dies soll die kurzfristige Doppelbelastung aus Beruf und Betreuung der Angehörigen möglichst gering halten – egal ob für die Organisation eines Pflegeplatzes für Deinen dementen Vater oder die kurzfristige Unterstützung Deiner verletzten Mutter zu Hause oder, wenn Angehörige –  auch Kinder – plötzlich pflegebedürftig werden oder die bisherige Betreuungsperson ausfällt.

Die Familienhospizkarenz erlaubt Betroffen, ihre sterbenden Angehörigen oder schwersterkrankten Kinder zu begleiten, durch eine vollständige oder teilweise Reduktion der Arbeitszeit.

Pflegende Angehörige Freistellung - Haus und Herz

Bei Pflegeurlaub handelt es sich um eine alternative Bezeichnung von Pflegefreistellung. Dabei kannst Du Dich bei gleichbleibendem Bezug Deines Gehaltes von der Arbeit freistellen lassen, wenn Du durch die kurzfristige Erkrankung einer/s im gemeinsamen Haushalt lebenden Angehörigen an der Arbeit verhindert bist.

Melde Dich dafür so bald wie möglich bei Deiner/m Arbeitgeber/in und merke an, dass du den Pflegeurlaub für die Freistellung in Anspruch nimmst. Bei einer Anstellung von 40h/Woche steht dir eine Arbeitswoche pro Jahr zu, die Du für die Pflegefreistellung verwenden kannst. Bei geringerer Anstellung, ist es jeweils der Anteil Deiner wöchentlichen Arbeitszeit. Ob Du ganze Tage oder nur Stunden deines Pflegeurlaubs verwenden möchtest, ist Deine Entscheidung.

Du kannst für folgende Personen auf Pflegeurlaub gehen: verheiratete, eingetragene oder Lebens-Partner/in, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, leibliche Kinder, Wahl- und Pflegekinder, Enkel und Urenkel sowie im gemeinsamen Haushalt lebende leibliche Kinder von dem/der Partner/in.

Sollte eine Verlängerung der Pflegefreistellung notwendig werden, kannst Du dafür auf Deine Urlaubstage heranziehen.

Für die Pflege von Kindern gibt es die Möglichkeit der erweiterten Pflegefreistellung. Ist das Kind unter 12 Jahre besteht die Möglichkeit einer zweiten Woche Pflegefreistellung.

Weiterführende Informationen findest Du auf oesterreich.gv.at oder bei der Arbeiterkammer.

Die Freistellung von der Arbeit ist ein geeignetes Modell, wenn die Pflegesituation zu Hause plötzlich eintritt oder sich eine plötzlich auftretende Verschlechterung des Gesundheitszustandes der zu pflegenden Person entwickelt. Die Karenz bzw. Pflegeteilzeit kann auch in Anspruch genommen werden, um die Pflege zu Hause bzw. das Pflegegeld zu organisieren.

Du kannst in Pflegekarenz (vollständige Reduktion der Arbeitszeit) oder Pflegeteilzeit (anteilige Reduktion der Arbeitszeit) gehen, wenn du arbeitslos oder seit mindestens drei Monaten über der Geringfügigkeitsgrenze angestellt bist.

Zu den nahen Angehörigen, für die Du die Karenz eingehen kannst zählen: verheiratete, eingetragene, sowie (Lebens-) Partner/innen, sowie deren leibliche Kinder, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, leibliche Kinder, Wahl- und Pflegekinder, Enkel und Urenkel, Geschwister, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Wahl- -und Pflegeeltern. Es ist nicht erforderlich, in einem gemeinsamen Haushalt zu leben.

Pro zu pflegende/betreuende Person kannst Du nur einmal in Pflegekarenz bzw. Pflegeteilzeit gehen. Das bedeutet, dass du für z. B. die Pflege der eigenen Mutter nur einmal in Karenz gehen kannst. Ist eine länger andauernde Betreuung Zuhause absehbar, können unterschiedliche Personen nacheinander in Karenz gehen, um die Betreuung zu leisten. Die Karenzzeit wird pro zu betreuende Person berechnet. Pro pflegebedürftige Person stehen insgesamt 12 Monate Pflegekarenz zur Verfügung, die auf 4 Personen mit je maximal 3 Monaten aufgeteilt wird. Sollte eine andere Person zu betreuuen sein, kannst Du für diese Person ein weiteres Mal in Pflegekarenz gehen.

Arbeitnehmer/innen haben zwar das Recht, in Pflegekarenz zu gehen und für die Dauer pensionsversichert, krankenversichert und in Höhe des Arbeitslosengeldes entlohnt zu sein, jedoch nur für die Dauer von 4 Wochen. Eine Karenzierung bzw. Teilzeitfreistellung, die über 4 Wochen hinausgeht, kann mit dem Einverständnis der/des Arbeitgeber/in für bis zu 3 Monate vereinbart werden. Für alle Personen, die in Pflegekarenz gehen gilt: das Recht auf Pflegekarenz für 4 Wochen, die zeitliche Begrenzung von maximal 3 Monaten, eine einmalige Karenzierung pro zu pflegender Person – eine Ausnahme hierbei bildet die einmalige Verlängerung der Pflegekarenz, wenn während der Pflegekarenz die Pflegestufe erhöht wurde.

Für den Erhalt des Pflegekarenzgeldes ist die Pflegestufe 3 bzw. bei dementiell Erkrankten oder Minderjährigen die Pflegestufe 1 vorausgesetzt.

Das Pflegekarenzgeld entspricht dem Dir zustehenden Arbeitslosengeld, das 55% des Nettoeinkommens ausmacht. Im Modell der Pflegeteilzeit erhältst Du den Anteil der 55%, um den du die Stundenanzahl reduzierst.

Der Antrag auf Pflegekarenzgeld ist unabhängig von der Vereinbarung der Pflegekarenz mit der/dem Arbeitgeber/in und  wird mittels Formular beim Service des Sozialministeriums gestellt.

Auf der Homepage des Sozialministeriumservice findest Du weiterführende Informationen und den Antrag auf Pflegekarenz. Die Broschüre zu Pflegekarenz/Pflegeteilzeit ist ebenfalls sehr hilfreich.

Auch auf oesterreich.gv.at findest Du aktuelle hilfreiche Informationen zum Thema Pflegekarenz.

Zur Sterbebegleitung naher Angehöriger oder zur Begleitung von schwersterkrankten Kindern kann die Familienhospizkarenz in Anspruch genommen werden. Auch hier besteht wieder die Möglichkeit einer vollständigen Karenzierung oder einer Arbeitszeitreduktion.

Zu den nahen Angehörigen, für die Du die Familienhospiz-Karenz eingehen kannst zählen: verheiratete, eingetragene, sowie (Lebens-) Partner/innen, sowie deren leibliche Kinder, Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, leibliche Kinder, Wahl- und Pflegekinder, Enkel und Urenkel, Geschwister, Schwiegereltern, Schwiegerkinder, Wahl- und Pflegeeltern. Es ist, außer bei minderjährigen Kindern, nicht erforderlich, in einem gemeinsamen Haushalt zu leben.

Du kannst diese Form der Karenz bis zu 3 Monate in Anspruch nehmen, eine Verlängerung auf bis zu 6 Monate ist möglich. Bei schwersterkrankten Kinder sind bis zu 5 Monate möglich mit einer Verlängerung auf bis zu 9 Monate.

Um Familienhospizkarenz bzw. die Familienhospizteilzeit in Anspruch nehmen zu können, musst Du der/dem Arbeitgeber/in schriftlich angeben, um welche der beiden Formen Du anfragst, um welches Verwandtschaftsverhältnis es sich handelt und wie lange die Dauer der Karenzierung bzw. Teilzeitanstellung sein soll. In dem Schreiben ist auch glaubhaft der Grund der Beantragung mitzuteilen. Die Familienhospizkarenz/-teilzeit kann frühestens fünf Werktage nach Einlangen der schriftlichen Anfrage bei der/dem Arbeitgeber/in beginnen. Können Arbeitgebende innerhalb dieser fünf Tage keinen Einspruch des Arbeits- und Sozialgerichtes vorlegen, kannst Du wie im vorgelegten Schriftstück mit der Familienhospizkarenz bzw. Familienhospizteilzeit beginnen.

Dir steht für diese Zeit zu, das Pflegekarenzgeld bzw. die Entlohnung nach der Regelung der Pflegeteilzeit zu beantragen. Das Karenzgeld entspricht der Höhe Deines hypothetischen Arbeitslosengeldes, das 55% des Nettoeinkommens ausmacht. In der Familienhospizteilzeit erhältst Du den Anteil der 55%, um den Du die Stundenanzahl reduzierst. Auch wenn Du aktuell arbeitslos bist, kannst Du dieses Angebot nutzen.

Anders wie bei der Pflegeteilzeit bzw. Pflegekarenz können mehrere Personen parallel für eine zu betreuende Person in Familienhospizkarenz bzw. Familienhospizteilzeit gehen.

Bei der Heilung des schwerkranken Kindes oder dem Versterben der/des nahen Angehörigen besteht zwar die Pflicht, dies der/dem Arbeitgebenden mitzuteilen, Du kannst jedoch frühestens nach zwei Wochen in die Arbeit zurückgebeten werden, insofern diese zwei Wochen noch in der angegebenen Dauer liegen.

Weiterführende Informationen findest Du beim Sozialministeriumservice (inkl. Antrag) und bei der Arbeiterkammer. Die Broschüre zu Familienhospizkarenz / Familienhospizteilzeit ist ebenfalls sehr hilfreich.

Versicherungen für pflegende Angehörige

Wenn Angehörige aufgrund der Pflege keine eigene Berufstätigkeit mehr ausüben können, fällt auch die Pensions- und Krankenversicherung weg. Ist es der Fall, dass Du wegen der Pflegeleistung und Betreuung zu Hause nicht mehr arbeiten gehen kannst oder langfristig auf eine Teilzeitanstellung reduzieren musst, steht Dir die freiwillige, kostenlose Weiterversicherung zu. Der Bund übernimmt die Kosten für die Pensions- und Krankenversicherung.

Mögliche Angehörige sind: Lebensgefährte/in, Ehepartner, eingetragene/r Partner/in, Kinder, Wahl-, Stief-, Pflegekinder, Wahl-, Stief- oder Pflegeeltern, Geschwister, Schwager / Schwägerin, Cousin / Cousine.

Vertrag - Versicherung - pflegende Angehörige

Wenn Du als pflegende/r Angehörige/r keine Krankenversicherung hast, kannst Du Dich bei der zu pflegenden Person kostenlos mitversichern lassen. Dafür muss die zu pflegende Person eine Krankenversicherung haben und Ehegattin, Ehegatte, eingetragene/r Partner/in, Lebensgefährtin, Lebensgefährte, Wahl-, Pflege-, Enkelkind bzw. Kind sein. Das gilt, wenn diese zu pflegende mindestens Pflegegeld der Stufe 3 bezieht, die Pflege in häuslicher Umgebung durchgeführt wird und die Arbeitskraft der betreuenden Person überwiegend beansprucht wird und dadurch keine eigene gesetzliche Krankenversicherung möglich ist.

Auch eine Person, die seit 10 Monaten im gemeinsamen Haushalt lebt und unentgeltlich die Haushaltsführung übernimmt, wenn kein/e Eheperson bzw. eingetragene/r Partner/in vorhanden sind, kann sich mitversichern lassen.

Bestehen keine Voraussetzungen für eine kostenlose Mitversicherung, gibt es die Möglichkeit einer günstigen Selbstversicherung für Pflegende. Für pflegende Elternteile eines behinderten Kindes ohne Möglichkeit einer Mitversicherung gibt es eine vergünstigte, freiwillige Selbstversicherung. Den begünstigten Beitrag übernimmt der Staat (Familienlasten-Ausgleichsfonds).

Weitere Informationen findest Du als Angestellte auf der Seite der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), als Selbständige bei der Sozialversicherung für Selbständige (SVS) und bei BVAEB-Versicherten bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB).

Wenn Du für die Betreuung das Dienstverhältnis beenden musst, kannst Du eine kostenlose Weiterversicherung in der Pensionsversicherung abschließen. Dies muss jedoch innerhalb von 6 Monaten nach der Beendigung der Erwerbstätigkeit erfolgen (angestellt oder selbständig).

Ab der Pflegestufe 3 übernimmt der Bund die Pensionsversicherung, wenn die Betreuung bzw. Pflege zu Hause geleistet wird. Hierfür reichst Du den Antrag, den Du bei der Pensionsversicherung erhältst, und einen Einkommensnachweis der zu pflegenden Person bei Deiner Pensionsversicherungsanstalt ein. Pro zu pflegende Person kann eine/r diesen Antrag einreichen.

Die kostenlose Versicherung steht Dir auch zu, wenn du zuvor nicht erwerbstätig warst oder Du Deine berufliche Tätigkeit nur reduzierst. Sie wird dann Selbstversicherung statt Weiterversicherung genannt.

Handelt es sich bei der zu betreuenden Person um ein Kind mit Behinderung, kann eine kostenlose Selbstversicherung abgeschlossen werden.

Du erwirbst dadurch Versicherungszeiten und Gutschriften auf Deinem Pensionskonto (Weiterversicherung: basierend auf dem Bruttoeinkommen, Selbstversicherung: Beitragsgrundlage ist fixer Betrag).

Wenn Du in Pflegekarenz/-teilzeit bist, benötigst Du keine Weiter- oder Selbstversicherung, da Du automatisch pensionsversichert bist.

Weiterführende Informationen findest Du auf der Homepage der Arbeiterkammer.

Den Antrag stellst Du als Angestellte/r bzw. Arbeitslose/r entweder bei der Pensionsversicherungsanstalt (PVA), bei der Sozialversicherung für Selbständige (SVS) oder bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB).

Um Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosengeld, Notstandshilfe) beziehen zu können, muss eine Mindestbeschäftigungsdauer von 52 Wochen innerhalb der letzten 2 Jahre (Rahmenfrist) bestehen.

Wenn eine Weiter- oder Selbstversicherung in der Pensionsversicherung vorliegt, verlängert sich diese Rahmenfrist von 2 Jahren um jenen Zeitraum, der für die häusliche Pflege eines/r Angehörigen mit mindestens Pflegegeldstufe 3 aufgewendet wird.

Die Rahmenfrist verlängert sich um höchstens fünf Jahre, für die Zeit in der eine arbeitslose Person Familienhospizkarenz oder Pflegekarenz in Anspruch nimmt.

Die Verlängerung erfolgt automatisch, es muss kein Antrag gestellt werden.

Mehr findest Du auf oesterreich.gv.at

Finanzielle Unterstützung

Zusätzlich zu Freistellungen und Versicherungen gibt es auch noch finanzielle Unterstützung, wenn Du einmal kurzzeitig Ersatzpflege benötigst.

Außerdem kannst Du die anfallenden Kosten in vielen Fällen von der Steuer abziehen. Abhängig von bestimmten Rahmenbedingungen wird hier ein einkommensabhängig Selbstbehalt angesetzt oder nicht.

Euroscheine - finanzielle Unterstützung für pflegende Angehörige

Bei der Förderung der kurzzeitigen Ersatzpflege handelt es sich um einen finanziellen Zuschuss, der eine Pause von der Betreuung ermöglichen soll.

Nach dem ersten Jahr in der Pflegegeldstufe 3 – oder auch bei Pflegegeldstufe 1, wenn die zu pflegende Person dementiell erkrankt oder minderjährig ist – hast Du als pflegende/r Angehörige/r die Möglichkeit, beim Service des Sozialministeriums eine Förderung für Ersatzpflege zu beantragen. Hierbei bekommst Du finanzielle Unterstützung, wenn Du eine Vertretung brauchst (bei Urlaub, Krankheit oder anderen wichtigen Gründen). Die Förderung soll Dir ermöglichen, die von Dir geleistete Pflege für eine bis vier Wochen im Jahr „ersetzen“ zu können. Bei dementiell Erkrankten und Minderjährigen beträgt die Mindestdauer der Ersatzpflege 4 Tage, ansonsten 7 Tage.

Die Ersatzpflege kann entweder in einer Pflegeeinrichtung, in der die zu pflegende Person vorübergehend aufgenommen wird, oder zu Hause durch eine 24h Betreuung geleistet werden.

Wie viel Dir bei der Förderung zusteht, ist von der beantragten Dauer der Ersatzpflege und der Pflegegeldstufe abhängig. Es können nur nachgewiesene Kosten berücksichtigt werden.

  • Die finanzielle Unterstützung pro Jahr beträgt maximal:
    • Pflegegeldstufe 3: 1.200 EUR
    • Pflegegeldstufe 4: 1.400 EUR
    • Pflegegeldstufe 5: 1.600 EUR
    • Pflegegeldstufe 6: 2.000 EUR
    • Pflegegeldstufe 7: 2.200 EUR

Angehörige von dementiell Erkrankten und Minderjährigen erhalten bis zu 300 EUR mehr pro Jahr.

Das monatliche Netto-Gesamteinkommen des / der pflegenden Angehörigen darf folgende Beträge nicht übersteigen:

    • Pflegegeldstufe 1–5: 2.000 EUR
    • Pflegegeldstufe 6–6: 2.500 EUR
    • Die Einkommensgrenze erhöht sich für unterhaltsberechtigte Angehörige jeweils um 400 EUR, bei unterhaltsberechtigten Angehörigen mit Behinderung um 600 EUR.

Alle Daten mit Stand 2021.

Weitere Informationen findest Du beim Sozialministeriumservice (inkl. Antrag).

Steuern zu Pflegeaufwendungen absetzen

Im Rahmen der Einkommensteuererklärung bzw. Arbeitnehmerveranlagung können Krankheitskosten bei vorhandenen Rechnungen in unbegrenzter Höhe als „außergewöhnliche Belastung“ bis 5 Jahre rückwirkend  abgesetzt werden. Ob eine Steuerreduktion einsetzt, ist abhängig vom Einkommen und dem Gesamtbetrag der einkommensabhängigen Selbstbehalte (6-12%).

MIT Selbstbehalt

Folgende krankheitsbezogene Kosten kannst Du steuerlich absetzen, wenn ein Selbstbehalt entstanden ist, den Du z. B. mittels Rechnung, bestätigen kannst:
Behandlungskosten bzw. Ärzte Honorar, Kosten für Krankenhausaufenthalte, Heilbehandlungen, Medikamente (auch homöopathische Präparate), Rezeptgebühren, Akupunktur, Psychotherapie, Sehbehelfe, Hörgeräte, Prothesen, Gehbehelfe, Fahrtkosten zum Spital / Arzt (Fahrtenbuch notwendig), Zahnersatz, Zahnbehandlungen.

Ist aufgrund von einer Erkrankung eine bestimmte Kost erforderlich, kann der Einkommenssteuererklärung bzw. der Arbeitnehmerveranlagung ein bestätigendes ärztliches Attest beigelegt werden und Du bzw. die zu pflegende/betreuende Person bekommt einen Pauschalbetrag für die bestimmte Diätverpflegung. Bei 20% Behinderung (aufgrund der Krankheit, die die Diät notwendig macht) fällt der Selbstbehalt weg.
Erkrankungen, bei denen dies zutrifft sind: Zuckerkrankheit, Magen-, Gallen-, Nieren-, Lebererkrankungen, Aids, Tuberkulose, Glutenunverträglichkeit.

Auch die Kosten für eine Unterbringung in einer Heil- bzw. Pflegeanstalt und der Betreuung zu Hause (ab Pflegestufe 1) können zu einem Teil steuerlich abgesetzt werden. Bei der Unterbringung während eines Kuraufenthaltes oder im Pflegeheim entsteht für die unterhaltspflichtigen Angehörigen eine Haushaltsersparnis. Diese Ersparnis und Kostenersätze (auch Pflegegeld) sind von den Kosten für das Pflegeheim oder den Kuraufenthalt abzuziehen, der bleibende Betrag kann von den Angehörigen steuerlich abgesetzt werden. Ebenso die Kosten für häusliche Betreuung, bei der lediglich Förderungen bzw. Kostenersätze (auch Pflegegeld) abgezogen werden.

Für den Fall, dass das Erbe die Begräbniskosten nicht deckt, können bis zu 10.000 EUR der Begräbniskosten steuerlich abgesetzt werden.

Krankheitskosten sind an sich von der betroffenen Person selbst zu tragen. Sollte nach Abzug der Krankheitskosten die Existenzgrundlage unter 11.000 EUR liegen, können die Krankheitskosten von der Partnerin / dem Partner übernommen werden und als außergewöhnliche Belastung mit Selbstbehalt steuerlich abgesetzt werden.

Weiterführende Informationen findest Du beim Finanzministerium.

OHNE Selbstbehalt

Die Pflegebedürftigkeit bzw. der Betreuungsbedarf liegt möglicherweise durch Eigenschaften vor, die in einem behördlichen Bescheid, wie dem Behindertenpass, als Behinderung geltend sind. Eine Behinderung liegt dem zufolge ab einer behördlich nachgewiesenen Beeinträchtigung von 25% vor.

Wenn kein ganzjähriges Pflegegeld bezogen wird, kann ein Pauschalbetrag abhängig vom Grad der Behinderung von der Steuer abgezogen werden oder die tatsächlichen Kosten angesetzt werden.

Kosten für Hilfsmittel (z.B. Rollstuhl, rollstuhlgerechte Adaptierungen der Wohnung, Hörgerät, Blindenhilfsmittel) oder Heilbehandlungen (z.B. Arzt- und Spitalskosten, Kur- und Therapiekosten, Medikamente aufgrund der Behinderung) sowie Kosten für ein Alters- oder Pflegeheim oder für die häusliche Betreuung können von der betroffenen Person ohne Selbstbehalt steuerlich abgesetzt werden können. Zusätzlich kann auch eine Pauschale für Diätverpflegung beansprucht werden.

Für Körperbehinderte gibt es unter bestimmten Voraussetzungen einen Freibetrag von 190 Euro monatlich.

Als Alleinverdienende/r oder wenn dein/e betroffene/r Partner/in bis zu 6.000 EUR verdient, kannst Du Kosten, die durch die Beeinträchtigung der betroffenen Person anfallen und nicht zum Teil von der Gesundheitskasse übernommen worden sind, steuerlich ohne Selbstbehalt absetzen. Sollte die durch die Behinderung betroffene Person mehr als 6.000 EUR verdienen, kann der/die Partner/in die Kosten nur mit Selbstbehalt von der Steuer absetzen.

Weiterführende Informationen findest Du beim Finanzministerium.

Beratungen für pflegende Angehörige

Das Sozialministerium ermöglicht kostenlose Unterstützung durch Beratung und Qualitätssicherung.

Die Angehörigengespräche und Hausbesuche bieten Dir zusätzliche Informationen als pflegende Angehörige und stellen auch die Qualität in der 24-Stunden-Betreuung sicher.

Beratung - Sprechblasen - Informationen

Pflegende Angehörige wissen oft nicht, an wen sie sich wenden können, wenn es um die persönliche Belastung in der Pflege und Betreuung geht. Von Wut bis Überforderung und Verzweiflung können alle Emotionen vertreten sein. Dabei wirkt es meist unangebracht, sich gegenüber Freunden oder der Familie dazu zu äußern.

Damit Angehörige mit ihrer Belastung nicht alleine gelassen werden, gibt es das österreichweite Angebot des “Angehörigengesprächs”.

Es kann persönlich (zu Hause oder an einem anderen Ort) oder per Telefon in Anspruch genommen werden. Geführt werden diese Gespräche von Psycholog/innen oder Sozialarbeiter/innen.

Unter der Nummer 050 808 2087 oder per Email können bis zu drei kostenlose Termine für ein Angehörigengespräch vereinbart werden.

Weitere Informationen findest Du in der Broschüre “Das Angehörigengespräch” des Sozialministeriums.

Die Sozialversicherung für Selbständige (SVS) ist das Kompetenzzentrum „Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege“ im Auftrag des Sozialministeriums – mehr Infos dazu auf der Homepage der SVS.

Wenn Du Beratung zur Durchführung von Pflegetätigkeiten brauchst, oder fachliche Unterstützung bei der Bewältigung einer bestimmten Pflegesituation, kannst Du um einen kostenlosen Hausbesuch einer fachlich ausgebildeten Gesundheits- und Krankenpflegeperson für eine Pflegegeld beziehende Person anfragen. Das geschieht im Rahmen der Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege des Sozialministeriums für alle Familien, die Pflegegeld beziehen.

Unter der Nummer 050 808 2087 oder via Email wird kostenlos und österreichweit der Kontakt zwischen pflegenden Angehörigen und den beruflichen Gesundheits- und Krankenpfleger/innen ermöglicht, die mit Informationen und Erfahrung in der Pflege zur Seite stehen.

Du erhältst Tipps und umfassende Beratung zu unterstützenden Hilfsmitteln, der praktischen Handhabung und zu entlastenden Dienstleistungen in Deiner Nähe. Neben der richtigen Verwendung von Bandagen, wichtigem Wissen zu Medikamenten und Krankheitszeichen gehört auch die Basis-Körperhygiene im Badezimmer oder mit der Waschschüssel zum Fachgebiet der Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (abgekürzt DGKP). Es gibt auch einen Schwerpunkt für den Umgang mit Menschen, die an Demenz leiden.

Es steht explizit die Hilfe im Vordergrund bei diesen Hausbesuchen und nicht die Überprüfung der Pflegegeld-Einstufung oder der rechtliche Status der Betreuenden.

Du kannst die kostenlosen Hausbesuche auch in Anspruch nehmen, wenn eine “24-Stunden-Pflege” im Einsatz ist. Dies dient der Qualitätssicherung in der Pflege und Betreuung zu Hause, denn so werden Informationen und Beratung leicht zugänglich dort wo Du sie benötigst.

Die Sozialversicherung für Selbständige (SVS) ist das Kompetenzzentrum „Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege“ im Auftrag des Sozialministeriums – mehr Infos dazu auf der Homepage der SVS.

Die Idee, einen regelmäßigen Stammtisch zu besuchen, wirkt zuerst nicht sehr zielführend. Denn als pflegende/r Angehörige/r stemmst Du neben Deinem eigenen Alltag die Betreuung und Pflege einer anderen Person. Warum und wie soll da noch die Zeit für einen Stammtisch eingeräumt werden?

Menschen zu treffen, die in einer ähnlichen Situation sind wie Du, öffnet Dir die Tür zu einem Rahmen, in dem Du potenziell verstanden wirst und in dem das Bedürfnis nach einem Entlastungsgespräch auch verstanden wird. An einem Pflegestammtisch kann es auch um vergangene Urlaube, Begegnungen beim Einkaufen oder Dinge gehen, für die Du Dich begeisterst. Ergibt sich eine nette Gesprächsrunde zu Themen, die Euch Freude bereiten, kann es sehr schön sein, die gemeinsame Zeit abseits von Alltagsgedanken zu verbringen. Sollte mit der Zeit eine Situation in der Betreuung auftreten, mit der Du Deine Familie oder Deine Freunde nicht belasten möchtest, kennst Du bereits Leute, die wissen, wie schwer es sein kann, mit Nahestehenden über die Pflege zu sprechen.

Zudem könnt Ihr Tipps zur Pflege und Erfahrungen mit Anträgen und anderen Herausforderungen austauschen. Viele Stammtische für pflegende Angehörige werden ehrenamtlich von den Pflegeleitungen der mobilen Pflegedienste ins Leben gerufen. Diese Stammtische sind zu empfehlen, weil es dort meistens auch eine Person gibt, die sich mit den Versorgungsstrukturen in Österreich auskennt und für Fragen zur Pflege zur Verfügung steht.

Die Interessensgemeinschaft Pflegender Angehöriger bietet einen tollen Überblick über regionale und online Stammtische.

Im Gesundheitsportal Österreichs findest Du eine Liste der Selbsthilfegruppen in Deinem Bundesland.

Auszeit nehmen

Viele pflegende Angehörige würden einmal Zeit für sich brauchen – ob im Urlaub, für ein paar Tage oder Stunden – wissen aber nicht, wie Sie in ihrer Abwesenheit die Pflege organisieren sollen.

Einerseits gibt es finanzielle Unterstützung für die Ersatzpflege – siehe den Punkt “Förderung der kurzfristigen Ersatzpflege“. Die Ersatzpflege kann durch 24-Stunden-Betreuung oder den temporären Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung durchgeführt werden.

Andererseits gibt es auch Möglichkeiten für Rehabilitation und Urlaubsangebote – für die pflegenden Angehörigen und oft auch ihre Liebsten bzw. finanzielle Unterstützung des Urlaubs. Hier einige Beispiele, die laufend ergänzt werden.

Weitere Artikel

Eine gute Zusammenfassung zu Unterstützungsleistungen für pflegende Angehörige bietet auch das Sozialministerium
Betreuende und pflegende Angehörige
Broschüre – Unterstützungen für pflegende Angehörige – Sozialministerium

Die SVS bietet als Kompetenzzentrum „Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege“ im Auftrag des Sozialministeriums eine sehr informative Broschüre zur Pflege daheim

Anlaufstellen je Bundesland für pflegende Angehörige