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Kann die Pflege zu Hause geleistet werden?

Pflege und Betreuung daheim - Pflegerin besucht alte Frau zu Hause

Überlegst Du gerade, ob die Pflege Deiner Liebsten überhaupt zu Hause durchgeführt werden kann? Wir von miazorgo.com helfen Dir, Gründe für und gegen die Betreuung zu Hause zu überlegen.

Um auf diese Frage eine Antwort geben zu können, ist erst zu klären, WER zu Hause die Pflege oder Betreuung leisten soll. Zu Hause pflegen nicht nur Familienangehörige oder Bekannte, sondern auch beruflich ausgebildete Pflegepersonen in verschiedensten Betreuungsmodellen. Mehr dazu findest Du am Ende dieses Artikels. Die punktuelle Unterstützung durch externe ExpertInnen ist extrem hilfreich und entlastend für die Angehörigen.

Nun ist die Situation mit pflegebedürftigen Angehörigen gerade zu Beginn oder bei Veränderungen durchaus auch eine schwierige, da Entscheidungen zu treffen sind, die die Möglichkeiten der Lebensgestaltung tiefgreifend prägen. Das Leben der ganzen Familie wird dadurch beeinflusst.

Folgende Punkte sollten deshalb von Dir überprüft werden, wenn Du überlegst, die Pflege selbst durchzuführen. Nimm Dir ausreichend Zeit dafür und besprich die Themen auch mit Deiner Familie.

Gründe, die gegen eine Pflege zu Hause sprechen können

Der „Zweitjob“ der Pflege zu Hause führt nicht selten zu Isolation vom eigenen sozialen Umfeld – durch die Abhängigkeit der zu betreuenden Person. Ein gutes soziales Netzwerk gehört jedoch zu der Basis einer stabilen Psyche.

In unseren Artikeln zu „Mentaler Gesundheit“ geht es darum, nachlesen zu können, was unsere Psyche in belastenden Situationen durch die Pflege braucht. Du kannst gerne unseren Newsletter abonnieren, damit Du informiert wirst, sobald ein neuer Artikel erscheint.

Ein chronischer Erschöpfungszustand und Schlafprobleme seit der Übernahme der Pflege sind gleichsam ernst zu nehmende Anzeichen, dass eine körperliche Grenze erreicht wurde, wie chronische Schmerzen (z.B. Rückenschmerzen).

Pflegetätigkeiten am Körper bedeuten hohe körperliche Anstrengung. Lass Dir in einem Kinästhetik Grundkurs oder von einem/r PhysiotherapeutIn zeigen, wie Du die Pflege körperschonend bewältigen kannst, wenn du bereits Probleme hast, oder präventiv etwas dagegen machen möchtest.

Die Körperpflege eines anderen Menschen in der Dusche zu unterstützen, kann einen inneren Widerstand in uns auslösen. Auch wenn es um die Benutzung der Toilette oder die Anwendung von Inkontinenzprodukten geht, werden wir zu „gebrauchten Fremdlingen“ bei sonst verdeckt durchgeführten Tätigkeiten der Körperhygiene.

Nicht für jede/n ist dies eine Situation, an die man sich gewöhnen kann oder will. Die Übernahme dieser intimen Körperpflege kann für beide Betroffenen unangenehm sein – die gepflegte und die betreuende Person.

Manche geben den Beruf auf oder reduzieren die Stundenanzahl, um die Pflege leisten zu können. Dies bringt natürlich eine Auswirkung auf die Pension und das Einkommen mit sich.

Ist die Existenzsicherung durch die reduzierte Berufstätigkeit langfristig zu groß, sollte Beratung aufgesucht werden.

Du findest im Themenblock “Finanzielle Unterstützung” auch mehr Informationen dazu.

Eine gestörte Nachtruhe zehrt an der Substanz und an der Denkleistung. Eine Erbringung von Pflegeleistungen in der Nacht ist besonders bei Berufstätigkeit wahrscheinlich nicht mit der erforderlichen Erholung vereinbar.

Im Artikel „Betreuung in der Nacht – ist diese wirklich notwendig?“ wirst Du zu den erforderlichen Fällen aufgeklärt. Welche drei Betreuungsformen bei Nacht möglich sind, ist im Hinweis 2 der Checkliste „Auswahlhilfe Betreuungsform“ zu lesen.

Gründe, die für eine Pflege zu Hause sprechen können

Die Nähe der Wohnräume begünstigt bei hohem Pflegebedarf eine realistische Durchführbarkeit der Betreuung zu Hause.

Wenn die Angehörigen im gleichen Wohnhaus oder in der Nachbarschaft leben, kann eine punktuelle Unterstützung gut durchgeführt werden.

Falls eine Nachtbetreuung notwendig wird, kann auch eine 24-Stunden Betreuung eine gute Option sein. Hierfür ist ein eigenes Zimmer für die Betreuungsperson notwendig. Dieses sollte den Namen “Zimmer” auch verdienen! Eigener Raum mit Fenster, gutes Bett, verschließbare Tür, WLAN etc. sind einige wichtige Basiseinrichtungen. Küche, Bad, WC werden von der Pflegekraft mitgenutzt.

Wenn die betreute Person nur am Tag Unterstützung benötigt, ist es mit dem eigenen Schlafbedarf und dem generellen Zeitaufwand meist vereinbar.

Achte darauf, dass Dein Privatleben durch die Übernahme von Betreuungstätigkeiten nicht zu kurz kommt.

Es ist hilfreich, wenn die Betreuungstätigkeit auf mehrere Personen aufgeteilt werden kann. So ist die Pflege Deiner Liebsten meistens mit dem Job und der eigenen Freizeit bzw. Familienleben besser zu vereinbaren. Besprich früh mit Deiner Familie, wer welche Rolle bei der Betreuung übernehmen kann – wann, in welchem Umfang, wie gelingt die Vertretung bei Urlaub oder Krankheit.

Es kann natürlich auch jederzeit eine mobile Pflege als externe Unterstützung hinzugezogen werden – einerseits zur Qualitätssicherung der Pflege, andererseits für die Entlastung bei körperlich oder mental anstrengenden Tätigkeiten.

Wenn Hilfsmittel wie ein Pflegebett oder ein Patientenlifter als Unterstützung beschaffen werden können und die Wohnung bei Bedarf barrierefrei gemacht werden kann, steht dem Verbleib in der eigenen Wohnung wenig im Wege. Die betreute Person sollte sich gut und sicher in der Wohnung bewegen können – mit oder ohne Hilfsmittel.

In unserem Themenblock „Adaptionen im Wohnraum“ werden barrierefreie Ideen und der erste Schritt zur Förderung zum barrierefreien Wohnungsumbau vorgestellt.

Wenn die Zeit für die Pflege von den betreuenden Personen gut aufgewendet werden kann, ist eine Unterstützung durch Angehörige möglich.

Weder die berufliche Tätigkeit, die dazugehörigen Arbeitszeiten oder die Betreuungspflicht gegenüber Kindern erschweren oder verhindern die Betreuung zu Hause. Das Privat- und Familienleben der pflegenden Angehörigen kommt nicht zu kurz.

Achtung: Sowohl bei Berufstätigkeit als auch bei der Betreuung von Minderjährigen stellt die Pflegeleistung zu Hause eine Doppelbelastung dar, die Du nicht unterschätzen solltest.

Weitere Informationen

Zu unterstreichen ist, dass die Pflege oder Betreuung auch maßgeblich davon abhängt, ob Du die für Dich passende unterstützende Betreuungsform gefunden hast. Ebenso wie die zu pflegende Person Wünsche und Erwartungen hat, ist auch Dein Wohlbefinden zu berücksichtigen.

Dazu findest Du in folgenden Themenblöcken vertiefenden Informationen und Checklisten

Unsere Checklisten „Auswahlhilfe Betreuungsform“ und „Selber betreuen – Ja oder Nein?“ geben Dir einen Themen Leitfaden, zu denen sich Überlegungen lohnen. Diese Checklisten sollen Dich auch auf ein Gespräch mit der angehörigen Person vorbereiten.

Welche Möglichkeiten es für die Betreuung und Pflege zu Hause gibt, findest Du im Kapitel „Externe Unterstützung“. Dort befinden sich eine Hand voll Optionen, die ohne Pflegeheim auskommen!

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Zu guter Letzt: Denke daran, dass Dir Unterstützung zusteht. Nur wer Kraft schöpfen kann, kann anderen helfen. Es mag am Anfang ein mühsamer Weg sein, doch langfristig wird er sich lohnen.

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